In Medias Res
2. Februar – 28. März 2019

Morehshin Allahyari & Daniel Rourke, Banz & Bowinkel, Malte Bartsch, Mariechen Danz, Angela Fette, Hans Haacke, Konsortium (Lars Breuer, Sebastian Freytag, Guido Münch), Reiner Maria Matysik, Theresa Schubert, Anja Schwörer

 

kuratiert von Ursula Ströbele

 

Kommen wir gleich zur Sache und gehen ohne Umschweife ‘mitten in die Dinge‘. Die lateinische Redewendung IN MEDIAS RES stammt aus der Ars Poetica des römischen Dichters Horaz und versteht sich als lobende Äußerung gegenüber seinem griechischen Kollegen Homer. Dieser führe in seiner epochalen Illias Zuhörer*innen und Leser*innen von Beginn an in die Handlung ein, ohne sich lange in einführenden und atmosphärischen Schilderungen (ab ovo = vom Ei an) zu verlieren. An dieses lyrische Ideal anknüpfend, liegt in der Gruppenausstellung IN MEDIAS RES  im Kunstverein Arnsberg das Augenmerk auf den hier versammelten Werken selbst und ihren unterschiedlichen Kontexten. 

 

„Kunst ist die Weise, wie wir zu einer bestimmten Zeit die Realität betrachten.“ 

In einem Interview (1969) erläutert Hans Haacke dieses Zitat des Schriftstellers Oscar Wilde am Beispiel der Impressionisten, die im 19. Jahrhundert dazu beitrugen, dass seitdem eine neue Sensibilität für die Wahrnehmung von Licht- und Farbwerten existiert.

Doch wie hat sich heute im Zeitalter der Digitalisierung unser Blick auf die Realität geändert und wie reagieren die Künste darauf? Hybride, interagierende Realitätsformen bestimmen unseren Alltag, vom physischen Raum, natürlicher oder urbaner Umgebung bis zu virtuellen Welten, Netzwerkverknüpfungen, Synapsen- und Molekülstrukturen ungeahnter Komplexität, die sich in systemischen Verbänden ausbreiten.

Selbst das Bild, das wir von der Natur haben, entsteht heute im Computer. Wie ist die wechselseitige Bedingtheit von Parallel-Realitäten sogenannter erster, zweiter und dritter Natur zu beschreiben, bzw. welche Auswege in Paralleluniversen malen wir uns aus? Nicht nur die Naturwahrnehmung hat sich heute von der ‘unmittelbaren‘ Wahrnehmung durch unsere Sinnesorgane zur Wahrnehmung mittels vorgeschalteter Sehapparate wie Teleskop, Mikroskop, Smartphone- und Drohnenkameras oder Head Mounted Displays verschoben, sondern ist zunehmend durch Computerberechnungen geprägt.

Besitzt Kunst also das Potential einer Orientierungshilfe bzw. Kommentarfunktion, indem sie multiple, ko-existente, sich teils überlagernde Realitätsformen und -entwicklungen evident macht, dabei etwaige Realitätsverluste problematisiert und ein Bewusstsein für Zeitstrukturen schafft?

IN MEDIAS RES – aus den Dingen bzw. Werken heraus lassen sich in der individuellen Rezeption Fragen formulieren und Antworten über die eigene Position finden.