Reiner Maria Matysik. ++ o ++
Lichthaus Arnsberg
19. Juni – 29. August 2021

Im Lichthaus Arnsberg ist diesen Juli die Solo-Schau ++ o ++ des in Duisburg geborenen Künstlers Reiner Maria Matysik zu sehen. Auf abstrakter, bildhauerischer Ebene behandelt der Künstler hier den Einfluss des Menschen auf den Kreislauf der Natur und die daraus resultierenden Konsequenzen. 

 

Matysiks Fokus richtet sich dabei insbesondere auf das Wasser. Das lässt auch der Ausstellungstitel erkennen, der formale Elemente der chemischen Formel H2O – nämlich Kreuz und Kreis – aufgreift. Im Zentrum der Installation steht die Aluminiumskulptur wolke, die im Rahmen des Emscherkunst-Projektes fluss wird wolke entstanden ist. Dafür entwickelte der Künstler 2013 eine Wolkenmaschine und installierte sie an einem abwasserfreien Abschnitt der Emscher. Der Fluss stieg dort – nach Matysiks Eingriff, der sich als künstlerischer Kommentar zu den Renaturierungsmaßnahmen im Ruhrgebiet lesen ließ – kurz vor seiner Mündung in den Rhein als wolkenbildender Wasserdampf auf. Auch die Aluminiumskulptur war in diesem Zuge zu sehen. Statt zu schweben, liegt sie im Arnsberger Lichthaus nun schwer und unbeweglich auf dem Boden und wird so zu einer Metapher für die Gefahren, die der menschliche Eingriff in die empfindlichen Ökosysteme und Wasserkreisläufe birgt: Die Folgen, die schadstoffbelasteter oder ausbleibender Regen nach sich ziehen, sind bekannt. 

 

In der Installation lässt sich durch die Glasskulpturen bifurkationeinschnürung und wechselständiges aus der Werkserie trübung von 2017, die mit Wasser gefüllt und auf Baugerüsten positioniert sind, ein weiterer Bezug auf Flüsse erkennen. So bezeichnet der Begriff ‚Bifurkation‘ die Verzweigung eines fließenden Gewässers in zwei unterschiedliche Flusssysteme. Die Gerüste verweisen zudem auf die Baumaßnahmen, wie beispielsweise die Anlage von Kanalsystemen, Flussbegradigungen oder Staudämmen, mit der sich die Menschheit seit der Entstehung der ersten Siedlungen die enorme Kraft des Wassers zu Nutzen macht. Jede Skulptur lässt zudem den ewigen Kreislauf des Wassers – den sich ständig wiederholenden Wechsel der Aggregatzustände zwischen Verdunstung und Kondensierung – anschaulich werden.

 

Mit ++ o ++ zeigt Reiner Maria Matysik auf bildhauerischer Ebene wie fragil die Welt ist, in der wir leben und wie schnell sich die gewohnte Umwelt durch verantwortungsloses Handeln ändern kann. Das impliziert, unter anderem, dass sich unser Umgang mit Wasser als kostbarer und lebensnotwendiger Ressource grundlegend ändern muss. Trockenheit und Dürre gehören durch den menschbedingten Klimawandel auch in unseren Breitengraden längst zu den tagesaktuellen Themen – man betrachte sich nur eine lokale und bereits sichtbare Folge, nämlich das Fichtensterben im Arnsberger Wald.

 

Parallel wird im Kunstverein Arnsberg die Ausstellung AFTER LIFE gezeigt. Präsentiert werden auch dort Arbeiten von Reiner Maria Matysik, die sich ebenso wie die Werke von Stephanie Dinkins, Jon Lomberg und Ana Rajcevic als Spekulationen über die Gestalt und das Habitat menschlicher und hybrider Lebensformen in naher und ferner Zukunft verstehen lassen.

 

Eine Kooperation des Kulturbüros der Stadt Arnsberg mit dem Kunstverein Arnsberg im Rahmen des Arnsberger Kultursommers.

 

Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Arnsberg-Sundern und der Schreinerei Beleke.

 

 

Text & Kuration: Lydia Korndörfer